San Cristóbal de las Casas war heute Schauplatz von Empörung und Wut vieler verschiedener Gruppierungen. Anlass waren die unvorstellbaren Gräueltaten, die vor kurzem in Guerrero stattgefunden haben und noch immer kein Ende nehmen. Vielleicht habt ihr in den deutschen Medien davon mitbekommen. Selbst nach vielen gelesenen Berichten und Gesprächen kann ich noch immer nicht verstehen, was dort in Iguala passiert ist und wie so etwas überhaupt möglich ist. Ich versuche mal zusammenzufassen, was ich weiß: Eine Gruppe von Studenten aus Ayotzinapa befindet sich am 26.09. in Iguala, um Spenden für eine Fahrt zur großen Studenten-Demonstration in Mexiko-Stadt zu sammeln, die jedes Jahr am 2. Oktober stattfindet (In Gedenken an das Studenten-Massaker von 1968; man könnte meinen, die Zeiten hätten sich geändert). Auf dem Rückweg werden sie von der Polizei festgehalten. Die Beamten eröffnen das Feuer, wodurch bereits einige Menschen sterben. 43 Studenten werden festgenommen. Seitdem werden sie vermisst. Die Regierung versucht, die Schuld den Narcos, der organisierten Drogenkrimminalität, zuzuschieben. Angeblich habe die Gemeindepolizei die Studenten den Narcos übergeben. Unter den Verantwortlichen hat es auch bereits Verhaftungen gegeben, jedoch ist fraglich, ob in einem System, in dem so etwas passieren kann, eine umfassende Aufklärung gewährleistet ist. Vor einigen Tagen wurden nun Massengräber mit etwa 28 verbrannten Leichen gefunden. Zur Zeit wird noch untersucht, ob es sich dabei um die vermissten Studenten handelt.
Angesichts dieser schockierenden Ereignisse und der schändlichen Rolle, die Regierung und Behörden dabei spielen, waren für heute Protestmärsche im ganzen Land angekündigt. Hier in San Cristóbal gab zudem gestern überraschend die
EZLN (
Ejército Zapatista de Liberación Nacional) bekannt, dass sie mit einem Schweigemarsch ihre Solidarität mit den Studenten und ihren Angehörigen bekunden will. Zahlreich reisten sie heute an und marschierten durch die Stadt, ohne ein Wort von sich zu geben. Ihr Schweigen drang jedoch genau so laut ins Bewusstsein der Menschen wie die wütenden Schreie der anderen Demonstranten, die mit ihren kreativen Plakaten und Parolen sicherlich auch sehr eindrucksvoll ihre Empörung zeigten. Ich habe vom Marsch der Zapatisten ein Video gemacht, das ich euch natürlich nicht vorenthalten will. Leider habe ich bloß das Ende des (wirklich langen) Marsches aufgenommen, sodass sich in die Stille bereits die Rufe einer anderen Gruppe mischen.
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| "Ihr seid nicht allein! Eure Wut ist auch die unsere!" |
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